Nachweis von Halogenen
Im
Rahmen der Ausbildung für verschiedene naturwissenschaftliche Berufe (z.B.
Humanmediziner, Veterinärmediziner, Biologen......) müssen auf jeden Fall auch
ausreichende Kenntnisse der Chemie vermittelt werden.
Hierbei
wird unter anderem auch der Nachweis von verschiedenen chemischen Elementen im
Labor durchgeführt.
Im Folgendem steht der Nachweis von Halogenen im
Vordergrund. Ihre Verbindungen besitzen zwar bei industriellen Prozessen eine große
Bedeutung, sie sind jedoch für die Umwelt nicht unbedenklich. Daher sollen an
dieser Stelle einige Informationen zusammengestellt werden.
Halogene
stellen in bestimmter Zusammensetzung eine Gefahr für die Umwelt auf
verschiedenen Ebenen dar. Vor allem organische Halogenverbindungen, insbesondere die sog.
FCKW (Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe; die chemisch korrekte Bezeichnung ist CFKW:
Chlor-Fluor-Kohlenwasserstoffe) wie CFCl3, CF2Cl2
und CHClF2 besitzen durch ihre Ozon-abbauende
Wirkung einen großen
Einfluss auf die Atmosphäre. Der verstärkte Abbau der Ozonschicht senkt den
effektiven Schutz vor gefährlicher UV-Strahlung.
Zusätzlich stellen FCKW's wirksame Treibhausgase dar.
Der
Salzgehalt (Halogene von griechisch háls = Salz) von Gewässern spielt
eine wichtige Rolle für die darin lebenden Tiere und Pflanzen, da diese auf
einen osmotischen Druckausgleich angewiesen sind. Ein zu hoher oder zu niedriger
Salzgehalt ist daher schädlich.
Eine
mögliche Ursache für die Versalzung des Bodens ist in der Bewässerung mit
Wasser eines zu hohen Salzgehaltes und in Düngemittelgaben zu finden. Eine
wichtige Rolle spielen auch die im Winter verwendeten Tausalze, vornehmlich
Natriumchlorid. Die schädigende Wirkung geht eher von den Natrium-Ionen als von
den Chlorid-Ionen aus: sie umgeben sich mit einer Hydrathülle, wodurch ihr
Umfang zunimmt und als Folge der Boden aufquillt. Dadurch verschlechtert sich
die Durchlüftbarkeit und die Wasserkapazität der Böden.
Der
Nachweis von Halogenen hat somit eine große Bedeutung bei der Überprüfung der
Umwelttauglichkeit verwendeter Stoffe. Die Prävention möglicher Umweltschäden
steht dabei im Vordergrund.
Nachstehend
werden einige der Methoden zur Bestimmung von einigen Halogenen (Gruppe VII des
Periodensystems der Elemente) dargestellt und zwar für folgende Ionen:
·
Chlorid-Ionen
·
Bromid-Ionen
·
Jodid-Ionen
Vorher
möchte ich allerdings noch kurz die genannten Elemente beschreiben:
Chlor
Chlor
(griechisch Chloros = gelbgrün) ist ein gelbgrünes, aggressives
Gas, dessen
Einatmung zu Glottis – und Lungenödem (Flüssigkeitsansammlung im
interzellularen Raum) und unter
Umständen zum Atemstillstand führt. Chlor wird auf Grund seiner starken
Oxidationswirkung als Bleich- und Desinfektionsmittel, z.B. zur Desinfektion des
Trinkwassers oder des Wassers in Schwimmbädern verwendet. In Wasser ist Chlor
gut löslich und disproportioniert teilweise zu HCl und HOCl:
H2O + Cl2
--->
HCl + HOCl
Das
Gleichgewicht der Reaktion liegt weit auf der linken Seite, so dass nur geringe
Mengen an Chlorwasserstoffsäure (HCl) und unterchloriger Säure (HOCl)
vorliegen. Der überwiegende Anteil ist als elementares Chlor in Wasser gelöst.
Diese Lösung heißt Chlorwasser.
Chlor und Wasserstoff
reagieren bei
Belichtung explosionsartig unter Bildung von
Chlorwasserstoff. Leitet man gasförmigen Chlorwasserstoff in Wasser ein, so
entsteht die Chlorwasserstoffsäure oder Salzsäure.
Brom
Brom
(Bromos, griechisch = Gestank) ist eine dunkelbraune
Flüssigkeit, die bei
Zimmertemperatur rotbraune, den Respirationstrakt (= Atemwege) stark reizende Dämpfe
entwickelt. Im Organismus des Menschen spielt Brom wahrscheinlich keine Rolle.
Jod
Jod
liegt bei Zimmertemperatur in Form metallisch glänzender Schuppen vor, die zu
violetten Dämpfen sublimieren. In Wasser ist Jod sehr schlecht löslich. In
Alkohol löst sich Jod mit brauner, in Chloroform mit violetter Farbe. Mit Stärke
gibt Jod eine Blaufärbung, die zum Nachweis von Stärke dient (= Jodstärke-Reaktion).
Jod
spielt im Organismus des Menschen als Bestandteil der Schilddüsenhormone
Trijodthyronin (T3)
und Tetrajodthyronin (T4)
eine wichtige Rolle. Die Schilddrüsenhormone regulieren den Energiestoffwechsel
der Zelle und beeinflussen das Wachstum. Überfunktion (Hyperthyreose) und
Unterfunktion (Hypothyreose) der Schilddrüse mit vermehrter oder verminderter
Hormonproduktion äußern sich in charakteristischen Krankheitsbildern.
Jod
in Form der Jodtinktur, einer alkoholischen Jodlösung, ist das
wirksamste Mittel
zur Hautdesinfektion. Jodhaltige organische Verbindungen dienen als Röntgenkontrastmittel
für die Darstellung verschiedener Hohlorgane und Gallenwege.
Chemische Bestimmung
Chlorid-Ionen
Das
Chlorid-Ion ist das Anion der Chlorwasserstoffsäure (Salzsäure).
HCl ---> H+ +
Cl –
Die
Chloride der meisten Metalle sind in Wasser gut löslich. Schwerlöslich sind
zum Beispiel Silberchlorid (AgCl) oder Bleichlorid (PbCl2).
Nachweis der Chlorid-Ionen:
In salpetersaurer Lösung fallen Silberionen (Ag+) Chlorid-Ionen als
schwerlösliches Silberchlorid (AgCl) aus:
Cl- + Ag+ ---> AgCl
Silberchlorid
löst sich in verdünntem Ammoniak unter Bildung eines Silberkomplexes.
Um
nunmehr Chlorid-Ionen nachzuweisen, geht man folgendermaßen vor:
Man
versetzt ca. 1 ml Lösung, die Chlorid-Ionen enthält (zum Beispiel verdünnte
Salzsäure oder Natriumchlorid-Lösung), mit ca. 1 ml verdünnter Salpetersäure
und einigen Tropfen Silbernitrat-Lösung. Es bildet sich ein weißer, käsiger
Niederschlag von Silberchlorid.
Zur
Prüfung der Löslichkeit des Niederschlages lässt man diesen zunächst
sedementieren und gießt dann die über stehende Lösung möglichst vollständig
ab. Den Niederschlag von Silberchlorid versetzt man mit verdünntem Ammoniak.
Der Niederschlag geht in Lösung (löst sich also auf).
Bromid-Ionen
Das
Bromid-Ion ist das Anion der Bromwasserstoffsäure:
HBr
--->
H+ + Br-
Die
Löslichkeit der Bromide in Wasser entspricht jener der Chloride.
Nachweis der Bromid-Ionen:
1)
In
salpetersaurer Lösung fallen Silberionen (Ag+) Bromid-Ionen als
schwerlösliches Silberbromid (AgBr) aus:
Br- + Ag+ = ---> AgBr
Silberbromid löst sich zum Unterschied von Silberchlorid
nur in konzentriertem Ammoniak unter Bildung eines Komplexes.
Man
versetzt ca. 1 ml einer Lösung, die Bromid-Ionen enthält (zum Beispiel
Natriumbromid-Lösung), mit ca. 1 ml verdünnter Salpetersäure und einigen
Tropfen Silbernitrat-Lösung. Es bildet sich ein schwach gelber Niederschlag von
Silberbromid.
Zur
Prüfung der Löslichkeit des Niederschlages teilt man die Suspension in zwei
Teile und verfährt dann wie im vorangehenden Versuch. Den ersten teil versetzt
man mit verdünntem Ammoniak, den zweiten Teil mit konzentriertem Ammoniak. Man
sieht, dass sich der Niederschlag nur in konzentriertem Ammoniak auflöst.
2)
Elementares Chlor (Cl2 - Chlorwasser) oxidiert Bromid-Ionen zu elementarem
Brom, wobei elementares Chlor zu
Man
versetzt ca. 0,5 ml einer Lösung, die Bromid-Ionen enthält (z.B.
Natriumbromid-Lösung), mit ca. 1ml verdünnter Salpetersäure und ca. 2 ml
Chlorwasser. Die Lösung färbt sich durch Bildung von elementarem Brom braun.
Anschließend setzt man 1 ml Chloroform zu und schüttelt kräftig. Nach
Trennung der Phasen zeigt die spezifisch schwerere Chloroform-Phase braune
Farbe, die durch das in Chloroform gelöste elementare Brom verursacht ist.
Jodidionen:
Das
Jodid-Ion ist das Anion der Jodwasserstoffsäure:
HJ ---> H+ + J-
Die
Löslichkeit der Jodide in Wassser entspricht jener der Chloride und Bromide.
Beispiel
für ein schlechtlösliches Jodid ist Silberjodid (AgJ).
Nachweis der Jodid-Ionen
1)
In salpetersaurer Lösung fällen Silberionen (Ag+) Jodid-Ionen als
schwerlösliches Silberjodid (AgJ) aus:
J- + Ag+ ---> AgJ
Silberjodid
ist zum Unterschied von Silberchlorid und Silberbromid weder in verdünntem noch
in konzentriertem Ammoniak löslich.
Man
versetzt ca. 1 ml einer Lösung, die Jodid-Ionen enthält (z.B. Natriumjodid-Lösung)
mit ca. 1 ml verdünnter Salpetersäure und einigen Tropfen Silbernitrat-Lösung.
Es bildet sich ein gelber Niederschlag von Silberjodid.
Zur
Prüfung der Löslichkeit des Niederschlags verfährt man zunächst wie in den
beiden vorangehenden Versuchen und teilt dann den Niederschlag in zwei Teile.
Den ersten Teil versetzt man mit verdünntem Ammoniak, den zweiten Teil mit
konzentriertem Ammoniak. Man beobachtet, dass sich der Niederschlag weder in
verdünntem noch in konzentriertem Ammoniak löst.
2)
Elementares Chlor (Cl2 Chlorwasserstoff) oxidiert Jodid-Ionen zu
elementarem Jod, wobei elementares Chlor zu Chlorid-Ionen reduziert wird. Das
gebildete elementare Jod kann durch Verteilung in einem Wasser-Chloroform-System
sichtbar gemacht werden.
Man
versetzt ca. 0,5 ml einer Jodid-Lösung mit ca. 1 ml verdünnter Salpetersäure
und ca. 2 ml Chlorwasser.
Die
Lösung färbt sich durch die Bildung von elementarem Jod braun. Anschließend
setzt man ca. 1 ml Chloroform zu und schüttelt kräftig.
Nach
Trennung der Phasen zeigt die spezifisch schwerere Chloroform-Phase eine
violette Färbung, die durch das in Chloroform gelöste elementare Jod
verursacht wird.

Quellen: