ABC-Waffen
Sammelbezeichnung
für Atomare, Biologische
(bakteriologische) und Chemische
Waffen und Kampfmittel.
Atomwaffen
(Kern-, A-, Nuklearwaffen)
So werden
Geschosse, Raketen, Bomben, Minen und Torpedos mit Sprengladungen aus
Kernsprengstoff bezeichnet. A-Waffen unterteilt man in solche, die auf der
Kernspaltung von Uran 235 oder Plutonium 239 beruhen (A-Bombe), und
solche, bei denen eine Verschmelzung leichter Atomkerne (z.B. Deuterium,
Tritium) zu Helium eintritt (Wasserstoff- oder H-Bombe).
Schwerste
Waffen sind die Dreiphasenbomben mit einem Zünder aus Uran 235,
Lithiumdeuterid als Fusionsmaterial und Uran 238, das die größten
Anteile der Explosions- und Strahlungsenergie liefert. Die Sprengenergie
der A-Waffen wird im Vergleich mit herkömmlichen Sprengstoff angegeben: 1
Kilotonne (kt) entspricht dem Energieinhalt von 1.000
t Trinitrotoluol (TNT); 1 Megatonne (Mt)=
1.000.000
t TNT.
Von der
Gesamtwirkung einer A-Bombe entfallen rund 50 %
auf Druck, 35 % auf Wärme und 15
% auf radioaktive Strahlung. Bei ihrer Detonation entsteht ein
Atompilz, in dessen Zentrum ungeheure Drücke und Temperaturen von bis zu 50
Mio. Kelvin herrschen. Von ihm breiten sich Wärmestrahlen und ein großer
Teil der radioaktiven Strahlen mit Lichtgeschwindigkeit über einen vom
Explosionsort und von der Sprengenergie abhängigen Bereich aus. Für die
zerstörende Wirkung der Druckwelle ist nicht allein ihr dynamischer Druck
maßgeblich, sondern auch die an festen Hindernissen reflektierten
Druckwellen sowie der etwas später eintretende negative Druck (Sog).
Radioaktives oder aktiviertes Material kann durch Luftströmungen über
weite Strecken fortgetragen werden. Diese als Fallout bezeichneten
Partikel schweben langsam zu Boden und verursachen hier je nach ihrer
Verweilzeit in der Atmosphäre eine mehr oder minder starke radioaktive
Verseuchung.
Die ersten A-Bomben
wurden von den USA erprobt und gelangten 1945 über Hiroshima (90.000
bis 200.000 Tote) und Nagasaki (25.000
bis 75.000 Tote) zum bisher einzigen militärische
Einsatz (12,5 und 22 kt Sprengkraft). 1952
erprobten die USA die erste Wasserstoffbombe. Die UdSSR
verfügte seit 1949 über A- und seit 1955 über H-Bomben; Großbritannien
seit 1952 (1967); Frankreich seit 1960 (1967); China seit 1964
(1967); Indien zündete seine erste A-Bombe 1974; weitere Staaten
sind heute in der Lage, Kernwaffen herzustellen (so genannte »Schwellenmächte«).
Die
Waffenentwicklung in den 1960er-Jahren führte zunächst zur Vergrößerung
der Sprengkraft einzelner Bomben. Darauf wurden vor allem kleine A-Waffen (taktische
A-Waffen) gebaut, die einzeln auf dem Gefechtsfeld eingesetzt oder mit
einer Rakete mit Mehrfachsprengkopf über gegnerisches Gebiet geschossen
werden können, von wo aus sie sich auf mehrere Ziele zu bewegen (strategische
A-Waffen). Seit den 50er-Jahren wird an A-Waffen (Neutronenwaffen)
gearbeitet, die eine relativ geringe Druck- und Hitzewelle bei der
Detonation freigeben und dafür 80 % ihrer
Energie als radioaktive Strahlung freisetzen. Aufgrund des Zerfalls der
UdSSR gelangten auch Weißrussland, Kasachstan und die Ukraine in den
Besitz von A-Waffen, auf die sie wegen entsprechender Abrüstungsvereinbarungen
inzwischen verzichtet haben. Bemühungen, die A-Waffen-Bestände und
-Entwicklung zu reduzieren, gingen vor allem von der UdSSR bzw. Russland
und den USA mit den SALT- sowie START-Verträgen und dem INF-Vertrag aus
(Abrüstung). Der Kernwaffensperrvertrag
soll die Weiterverbreitung von A-Waffen verhindern.
Biologische
Waffen (B-Waffen)
Biologische
oder bakteriologische Waffen und Kampfmittel (z.B. Erreger
von Enzephalitis, Milzbrand,
Pest, Typhus) verseuchen Menschen, Tiere und Pflanzen. Da sie von
Flugzeugen oder Raketen aus versprüht werden (Bakterienkrieg), unterliegt
ihr Wirkungsbereich den Zufälligkeiten von Windrichtung und
-geschwindigkeit. Bisher ist es noch zu keinem größeren nachweisbaren
Einsatz von B-Waffen gekommen; Meldungen hierüber fehlt meist die
gesicherte und allgemein anerkannte Bestätigung. Die Entwicklung,
Herstellung und Lagerung von B-Waffen ist verboten (B-Waffen-Abkommen von
1972, in Kraft seit 1975).
Chemische
Waffen (C-Waffen)
Chemische
Kampfstoffe werden aus tragbaren oder fahrbaren Behältern abgeblasen oder
versprüht, aus Geschützen oder Minenwerfern verschossen oder von Raketen
und Flugzeugen über dem Zielgebiet abgeworfen. Man unterscheidet Augen- (»Tränengase«),
Nasen- und Rachenreizstoffe, Lungen-, Haut- und Nervengifte. Um die
Risiken bei Transport und Lagerung zu verringern, wurden binäre
Kampfstoffe entwickelt, bei denen der extrem giftige Kampfstoff erst
nach Abschuss der Granate oder Rakete bzw. nach Abwurf der Bombe durch
chem. Reaktion aus zwei gering giftigen Vorprodukten entsteht. Erstmals
wurden C-Waffen (Senfgas)
im Ersten Weltkrieg (Gaskrieg) eingesetzt, im Zweiten Weltkrieg nicht. Der
Einsatz von C-Waffen durch die UdSSR in Afghanistan kann als gesichert
angesehen werden. Im 1. Golfkrieg (1980-88)
setzte Irak aller Wahrscheinlichkeit nach C-Waffen gegen Iran ein. Das
weltweite Verbot der Entwicklung, Herstellung, Lagerung und des Einsatzes
chemischer Waffen und deren Vernichtung, 1993 in Paris vertraglich
beschlossen, trat 1997 in Kraft (C-Waffen-Abkommen).

Kernwaffensperrvertrag
(Atomwaffensperrvertrag,
offiziell engl. Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons),
Vertrag über
die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen, ausgehandelt 1965-68 von den
USA, der UdSSR und Großbritannien, unterzeichnet am 1.7.1968; trat 1970
nach der Ratifizierung durch die Depositarmächte (USA, UdSSR, Großbritannien)
und 40 weitere Unterzeichnerstaaten in Kraft. Unter Hinweis auf ihre nationale
Souveränität und die Gefahr eines weltpolitischen Übergewichts der USA
und der UdSSR unterzeichneten Frankreich und China den Vertrag erst 1992.
Konferenzen über die Wirksamkeit des Kernwaffensperrvertrages fanden seit
1975 alle 5 Jahre statt. Am 11.5.1995 wurde der Vertrag von mittlerweile
178 Staaten unbefristet verlängert. Ziel des Kernwaffensperrvertrags ist
es, die Verbreitung von Kernwaffen, ihren Ankauf oder ihre Herstellung
durch bisher kernwaffenlose Staaten zu verhindern. Die Wirksamkeit des
Kernwaffensperrvertrags wird durch die ihm nicht beigetretenen Schwellenmächte
(Staaten mit dem technologischen und wirtschaftlichen Potenzial zur
Produktion von Atomwaffen) beeinträchtigt.
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Milzbrand
(Anthrax), Anzeigepflichtige infektiöse Tierseuche (v.a. bei Wiederkäuern
und Schweinen) mit Fieber, Schüttelfrost, Koliken und Atemnot. Erreger
ist der Milzbrand -Bazillus (Bacillus anthracis). Die bei Tieren häufigste
Form des Milzbrandes ist der Darm-Milzbrand mit typisch vergrößerter,
schwarzroter Milz. M. ist durch Kontakt mit infizierten Tieren, aber
auch Fellen, Häuten, Lumpen und Bürsten (Schmierinfektion), Einatmung
der Erreger (die Sporen bleiben jahrzehntelang virulent) oder infizierte
Nahrungsmittel auf den Menschen übertragbar und befällt die Haut (M.-Karbunkel),
seltener Lungen (Hadernkrankheit) und Darm. Die Behandlung
(Isolierstation) besteht in der möglichst frühzeitigen Gabe hoch
dosierter Antibiotika (v.a. Penicillin G).
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Gehirnentzündung
(Hirnentzündung,
Enzephalitis), Verschiedene, durch Viren, Rickettsien, Bakterien
hervorgerufene Erkrankungen des Gehirns, die auch auf das Rückenmark (Enzephalomyelitis)
und die Gehirnhäute (Meningoenzephalitis) übergreifen können. Die
erregerbedingten Gehirnhautentzündungen sind meldepflichtig. Allgemeine
Symptome sind meist Kopfschmerzen, oft in der Stirn- und Augengegend,
Benommenheit, Störungen des Schlaf-wach-Rhythmus, Erbrechen, Lichtscheu,
Gliederschmerzen sowie manchmal Lähmungen einzelner Hirnnerven,
epileptische Anfälle und erhöhter Hirndruck. Die vermutlich durch ein
Virus hervorgerufene epidemische Gehirnhautentzündung (Kopfgrippe) kommt
nur noch vereinzelt vor; sie äußert sich in Augenmuskellähmungen und
Schlafsucht.
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Tränenreizstoffe
(Augenreizstoffe), meist
leicht flüchtige chemische Substanzen, die Reizwirkungen auf die Atemwege
und besonders auf die Tränendrüsen ausüben und zu starker Absonderung
von Tränenflüssigkeit führen. Einige Tränenreizstoffe aus der Gruppe
der halogenierten organischen Verbindungen sind , z.B. CN und CS,
wurden als Reizkampfstoffe (»Tränengase«) bekannt.
CN
Codename für den stark Tränen
erzeugenden Reizkampfstoff Chloracetophenon; von der UNO 1969
International geächtet.
CS
Codename für den
Reizkampfstoff 2-Chlorbenzylidenmalonsäuredinitril, in Tränengaspatronen.
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Senfgas
(Lost, Dichlordiäthylsulfid),
Ein im Ersten Weltkrieg verwendeter, sehr wirksamer chemischer Kampfstoff
(Gelbkreuz). Gasförmiges Dichlordiäthylsulfid greift die Atmungsorgane
und die Augen an, flüssiges Lost ruft Blasenbildung und schwer heilende
Wunden hervor.
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Quellen:
Kiper, M. u.
Streich, J.: Biologische Waffen. Die geplanten Seuchen,
Gene, Gifte u. Mikroben gegen Menschen. Reinbek.
Martinetz,
D.: Vom Giftpfeil zum Chemiewaffenverbot. Zur Gesch. der
chem. Kampfmittel.
M.Salewski.: Das
Zeitalter der Bombe. Die Gesch. der atomaren Bedrohung von
Hiroshima bis heute..
